Mittwoch, 18. Oktober 2017

Rechts rauscht der Blätterwald

Chinas „Wahlhilfe“ für AfD und FPÖ - wie der alltäglich Journalismus den Rechtsruck befeuert. Ein offener Brief an die Redaktionen in Deutschland und Österreich. 

Wien, 18.10.2017, von Daniel Carinsson

Liebe Journalistinnen und Journalisten, verehrte Redakteurinnen und Redakteure, werte Herausgeber

Am vergangenen Sonntag gaben in Österreich rund 60% der Wahlberechtigten ihre Stimme für Parteiprogramme ab, die den rechtsnationalen Geist der FPÖ in sich tragen, wie der Chef-Freiheitliche H.C. Strache nicht zu Unrecht feststellte. Drei Wochen zuvor zog die rechtsextreme AfD als drittstärkste Fraktion in den deutschen Bundestag ein. Nach beiden Ereignissen wurden von verschiedenen Seiten auch Vorwürfe an „die Medien“ erhoben, sie hätten mit zum Erfolg der Rechtsaußen beigetragen.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Kriminetz Interview "Sieben Fragen an Daniel Carinsson" (3. Oktober 2017)

Über den letzten Roman und das nächste Projekt, über den Weg von der Spree an die Donau und darüber, was eine alte Jahrhundertwende-Villa alles erzählen könnte.
Hier das ganze Interview lesen.

Freitag, 29. September 2017

Jetzt auf Kickstarter: 12 Fenster - das 3D Kalenderprojekt

Jeden Monat ein Fenster in die Epoche der Römischen Kaiser in Mitteleuropa. In der einzigartigen Römerstadt Carnuntum erwecken Reenactors mit ihrem Wissen und ihrer Liebe zum Detail diese faszinierende Zeit authentisch zum Leben. In stereoskopischen 3D-Fotografien halte ich diese Zeitblicke fest und mit diesem Projekt möchte ich eine Auswahl als großformatige 3D-Drucke in diesem Kalender veröffentlichen. Erst mit Eurer Unterstützung wird es möglich sein, die spannenden Einblicke in Welt der Römer am Limes als hochwertige 3D-Drucke in jedes Wohnzimmer zu bringen.

https://www.kickstarter.com/projects/carinsson/12-windows-into-a-time-long-gone-by-3d-calendar-20

Carnuntum an der Donau

Die Ortschaft Petronell-Carnuntum ist heute eine 1.200 Seelen-Gemeinde in Österreich, kurz vor der slowakischen Grenze. Im 3. Jahrhundert lebten in Carnuntum jedoch über 50.000 Menschen, für damalige Zeiten eine Metropole. In der Militärstadt lagerte die mächtige 15. Legion (legio XV Apollinaris) gleich neben dem Palast des Provinzstadthalters und der Arena. In der Zivilstadt gab es ein weiteres Amphitheater, eine Gladiatorenschule, öffentliche Bäder und großzügige Villenanlagen.

Die ausgefeilte Technik, den Luxus, die Künste und Kämpfer der Römer, all das kennt man aus Schulbüchern, Museen, Dokus und nicht zuletzt aus Hollywoodfilmen. Aber in Carnuntum gibt es das alles „in echt“.

Teile der alten Römerstadt wurden auf dem archäologischen Gelände nicht nur ausgegraben und dokumentiert, sondern mit großem, wissenschaftlichen Aufwand rekonstruiert und wieder aufgebaut. Die Therme, mehrere Wohnanlagen, Küchen, Lager, das alles lässt sich dort nicht nur anschauen, sondern im Wortsinn beleben.

Mehrmals im Jahr kommen Reenactors, also Begeisterte die sich der Recherche und dem „Spiel“ in vergangenen Zeiten verschrieben haben, nach Carnuntum, um dort in wiedererstanden Stadt als Römische Bürgerinnen und Bürger das frühere Leben nachzuleben und zu erleben. 

HIER GEHT'S ZUM KICKSTARTER-PROJEKT "12 FENSTER"

Snapshots aus der Antike


video


Dort in Carnuntum treffen zwei meiner Leidenschaften aufeinander: mein Interesse an Geschichte, vor allem an der Spätantike, der Epoche, in der die Zeiten sich zu wandeln begannen, und meine Beschäftigung mit 3D Fotografie und 3D Druck.

Wenn sich in einer authentischen römischen Stadt hunderte von Frauen und Männern treffen, die in detailgenaue römische Gewänder gekleidet sind und dort mit fundiert recherchierten Werkzeugen an Haushaltsgeräten oder Waffen arbeiten, die nach antiken Rezepten in römischen Küchen kochen oder sich mit den Mitteln der Zeit frisieren und hübsch machen, dann muss man das fotografieren. Natürlich. Tausende tun das jedes Jahr.

Aber diese Szenerien so festzuhalten, dass man jederzeit meint, sie anfassen zu können, dazu muss man in 3D, also dreidimensional fotografieren. Und das mache ich seit geraumer Zeit. 

Ein Erlebnis, wie wenn sich ein Fenster öffnet, das ist es, was ich mit meinen Drucken ermöglichen möchte. Daher auch der Titel dieses Kalenders.

Leider nicht billig 

Schon allein, weil 3D-Drucke keine Massenprodukte sind, ist ihre Herstellung vergleichsweise kostspielig. Nur zum Vergleich: während ein normaler Fotoabzug, den wir heutzutage online oder in jedem Drogeriemarkt bestellen können, sagen wir im Format 15 x 21 cm für unter 1 Euro zu haben ist, kostet eine entsprechende Ausfertigung im Fachlabor über 5 Euro. Für die großformatigen Drucke in A3, die ich für den Kalender plane, muss zudem jedes Motiv einzeln optimiert werden und es sind eine Reihe Testdrucke notwendig, um den Effekt genau abzustimmen. 

Daher kann ich diesen Kalender auch nur mit Hilfe dieses kickstarter-Projektes realisieren, mit dem lediglich die Druck- und Versandkosten finanziert werden sollen. Die Fotografien und die Bearbeitung sind mein Eigenbeitrag. Ich möchte mit diesem Kalender kein Geld verdienen, ich möchte ihn einfach nur in Händen halten und sehen. Genau wie hoffentlich auch ausreichend Unterstützer. 

HIER GEHT'S ZUM KICKSTARTER-PROJEKT "12 FENSTER"

Sonntag, 10. September 2017

Neues Projekt: "12 Fenster" - der 3D-Kalender

(Carnuntum, 10.September 2017) Ein neues Projekt gestartet. Ein Kickstarter-Projekt, um einen einzigartigen 3D-Kalender zu produzieren. Dieser 3D-Kalender öffnet jeden Monat ein Fenster in die Epoche der römischen Kaiser in Mitteleuropa. 


In der einzigartigen Römerstadt Carnuntum halte ich Zeitblicke in stereoskopischen 3D-Fotografien fest. Eine Auswahl soll schließlich in einem großformatigen 3D- Kalender veröffentlicht werden. Aber erst mit der Unterstützung aus der Internet-Community wird es möglich sein, die spannenden Einblicke in Welt der Römer am Limes als hochwertige 3D-Drucke in jedem Wohnzimmer quasi erneut zum Leben zu erwecken. 

Heute, 10. September, ging dazu die Facebook-Seite live. Am 24. September startet dann das Projekt auf Kickstarter.com: „12 Fenster – in eine lang vergangene Zeit“. 

Alle Updates natürlich auch hier im Blog.

Freitag, 11. November 2016

Trump – und was soll ich jetzt tun?

Wie immer, wenn etwas Ungeheuerliches, von Menschen Verursachtes geschehen ist, liest und hört man an allen Ecken und Enden, in unzähligen Kommentaren professioneller Journalisten ebenso wie in Postings von Freunden und Social-Bekanntschaften, was „man“ jetzt tun müsste.

Ich gestehe, dass auch ich oft und gerne dieser wahrscheinlich schlicht menschlichen Neigung nachgebe, meinen Senf dazu abzugeben, was „man“ zur Verbesserung einer bestimmten Situation oder auch schlichtweg zur Rettung der Welt, zu tun hätte. Das angenehme dabei ist ja, dass es in aller Regel keinerlei Verpflichtungen nach sich zieht, da man selber ja ohnehin nie auch nur annähernd in der Position oder Situation ist, um die angemahnten Verbesserungen durchzusetzen. Der ausgestreckte Zeigefinger – „die da müssen“ – ist zum Reflex unserer Gesellschaft geworden.

Eine angenehme Ausnahme bot dieser Tage SPON-Kolumnist Sascha Lobo,der in seinem Trump-Beitrag immerhin mehrfach ein selbstkritisches „wir“ anbrachte.
Vielleicht ist es dem Ausmaß der Unbegreiflichkeit dieses Sieges von The Donald geschuldet, vielleicht dem Schmerz eines in Westeuropa voll und ganz im Zeichen des American Dream Sozialisierten, dass auch ich mich dieses Mal persönlich betroffen und persönlich gefordert fühle.
Seit jener Wahlnacht bedrängt mich das Gefühl, dass nicht „man“ dieses oder jenes machen und tun sollte, sondern, dass ICH etwas unternehmen muss. Allerdings stehe ich dabei nun vor dem Problem, vor der „man“ offenkundig allerorts genauso steht:

Ich habe keine Ahnung, WAS nun zu tun ist.

Was kann ich tun, damit im Dezember in Österreich nicht der nächste Demagoge in ein Präsidentenamt kommt? Wie kann ich dazu beitragen, dass das Virus nicht weiter um sich greift? Dass nach Russland, Ungarn, Griechenland, Polen, der Türkei, den Philippinen, Großbritannien, den USA nicht als nächstes Frankreich angesteckt wird und dann Deutschland? Dass der neue Nationalismus nicht die EU sprengt und dann die Nato, die Vereinten Nationen?
Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr drängt sich mir dabei die Frage auf, ob es überhaupt möglich ist, diesen dunklen Zug noch aufzuhalten? Und macht es überhaupt Sinn, sich dem entgegen zu stellen?

Ich blicke in die Vergangenheit. Wäre es einst möglich gewesen, z.B. die Nationalsozialisten  zu verhindern? Hätte sich die sozialistische Revolution in Russland Anfang des 20. Jahrhunderts mit all ihren Folgen vermeiden lassen? Hätten die Menschen Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich  etwas unternehmen können, um das unendliche Blutvergießen der Französischen Revolution zu umgehen und einen Wandel in friedlichen Bahnen zu gestalten?

Oder sind das einfach Kräfte, denen Gesellschaften ausgesetzt sind, wie Gezeiten, denen am Ende des Tages nichts entgegen gesetzt werden kann? Ist irgendwann ein Point of no return erreicht, an dem Hass, Wut oder auch Angst, Verzweiflung sich derart aufgeladen und multipliziert haben, dass mit Vernunft kein Durchkommen mehr ist? Und wenn, haben wir diesen Punkt schon erreicht? Wurde er vielleicht in den Morgenstunden des 9. November überschritten?

Engagement für den Wiederaufbau?

Wäre es dann vielleicht das Klügste, gar keine Energie darauf zu verschwenden, dagegen anzugehen, sondern vielmehr den Kopf unten zu halten und zu versuchen, sich und Menschen, die einem nah sind, vor direkten Folgen zu schützen? Sollte ich mich darum bemühen, jetzt Opfer zu unterstützen – die Familien der in der Türkei inhaftierten Journalisten zum Beispiel? Und  sollte ich dabei Anstrengungen unternehmen, mich und möglichst viele andere für die Zeit danach vorzubereiten? Jetzt Menschen vernetzen, Pläne und Ideen entwickeln, um die Gesellschaft zurück auf konstruktive Wege zu bringen, wenn sich der Staub gelegt hat und die Welle an Nationalismus und Totalitarismus wieder vorüber ist?  In der Hoffnung, dass sie nicht die Mehrheit der Menschen ins Verderben reißt?
Wäre es wichtig, dass ich – der ich mich Schriftsteller nenne – zum Chronisten werde? Soll ich Zusammenhänge aufzeichnen, Belege sammle, die wir dann parat haben,  wenn sich die Tore der Internierungslager wieder öffnen und alle Welt abermals vorgibt, von nichts eine Ahnung gehabt zu haben?

Ich frage mich ernsthaft, ob wir jetzt das Leiden eventuell nur verlängern, wenn wir uns dagegen stemmen? Wäre es möglicherweise besser zur Seite zu treten, wie in dem Zeichentrickfilm, wo die Schweinchen die Türen des Hauses vorne und hinten öffnen, so dass der böse Wolf, der angerannt kommt, einfach quer hindurchläuft? So wie beim Autofahren, wo man, wenn man ins Rutschen gerät, das Lenkrad auch kurz loslassen sollte, damit sich die Räder frei ausrichten können und man dann wieder eingreifen und den Wagen zurück in die Spur bringen kann?

Oder ist es doch richtiger, wenn ich mich auf die Suche nach den Gleichgesinnten mache, um mit möglichst Vielen eine Kette der Vernunft zu bilden? Eine Firewall gegen das Virus. Die das Schreien und Lärmen der Demagogen dämmt, die jene Verachtung durchbricht, mit der mehr und mehr Menschen Pluralismus und Demokratie gegenüberstehen, weil sie diese für schwach und entbehrlich halten. Kann es gelingen, dass die Teile der Welt, die gerade aus den Fugen zu geraten scheinen, ohne den ganz großen Kollaps zum fairen Wettbewerb der Ideen zurückkehren? Und wenn, was kann, was soll ich dazu beitragen?

Ganz ehrlich: im Augenblick weiß ich es nicht.
Ich weiß nur, ich muss mich entscheiden.
Und das bald.

Sonntag, 21. August 2016

#followdregenius: Bilderwelten zum neuen Roman

Seit ein paar Wochen gibt es mich jetzt auch auf Instagram. Unter dem Hashtag #followdregenius sammle und teile ich dort Bildimpressionen, die ich seit einiger Zeit aufnehmen, auf der Spur des Romanhelden Dregenius. Ein Moodboard aus dem Jahr 486 n.Chr. Ein Blick in die Welt der Völkerwanderungszeit an der Donau, rund um Carnuntum. Dreikaiserstadt und nordöstlichste Metropole von einst. Mehr zur Erzählung "Die Kormoranfeder", anderen Fertigstellung ich arbeite, comming soon...

Freitag, 17. Juni 2016

Nicht gut drauf. Die Welt. Jetzt so.

Ein Irrer erschießt in Orlando 40 Menschen.
Die Gratiszeitung titelt „Schwulen-Killer…“
Nicht sicher, ob sie das wirklich negativ meinen.
In Frankreich prügeln sich Hooligans den Matsch aus der Birne.
Wär‘ nicht so schlimm, wenn dabei nicht Menschen zu Schaden kämen.
Der russische Sportminister findet das aber eh ganz ok.
Der Präsidentschaftskandidat will die USA Muslim-frei machen.
Eine Woche, nachdem sich das Land von Muhamad Ali verabschiedet hat.
Tränenreich.
Die Grünen wollen deutschen Fußballfans die deutsche Fahne verbieten.
Die AfD dankt für die Gratis-Wahlwerbung.
In Katar, dem Land mit der übernächsten Fußball-WM
wird eine Niederländerin verurteilt, weil sie sich hat vergewaltigen lassen.
Und der zweit-„wertvollste“ Konzern der Welt
präsentiert seine Neuheiten:
eine App für dreißig Prozent größere Smileys
und eine, die Rollstuhlfahrern sagt, wann sie herumrollen sollen.
Wann implodiert das Ganze?
Lang kann’s nicht mehr dauern.


Vielleicht sollte es das auch nicht.