Dienstag, 24. November 2009

Daniel Carinsson

Der geborene Berliner ist ein echter 68er – Jahrgang nämlich – und seines Zeichens ein klassischer Kreuz-und-Quer-Einsteiger. Gelernter Tontechniker, später Musikproduzent und Werbetexter, zwischenzeitlich Hiker und Bandleader in den USA, dann PR-Profi, Veranstalter und Betreiber eines Musiklabels in der Donaumetropole Wien, schließlich Content- & Social-Media-Manager und Schriftsteller. 

Der Mann, der nach Westen wollte und im Osten ankam

Es ist sicherlich kein besonderes Alleinstellungsmerkmal, dass ich seit meiner Teenagerzeit, die ich in einem grünen und friedlichen Winkel Bayerns verbringen durfte, davon geträumt habe, mein Glück eines Tages im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu suchen und zu finden, aber immerhin gehörte ich zu jener Sorte, die sich ihre Träume auch über den Schulabschluss hinaus bewahrt haben. Und so hängte ich, nach Ausbildung und zwölf recht erfolgreichen Berufsjahren als Toningenieur, Musik- und Werbeproduzent – erneut befeuert durch eine vierwöchige USA Durchquerung - meinen ordentlich bezahlten Job an den Nagel, brach alle Zelte ab und machte mich mit Sack und Pack auf, in die Stadt meiner Sehnsüchte, nach Los Angeles. Zuversichtlich und ohne jeden Zweifel, dort meine Bestimmung und eine glorreiche Zukunft zu finden.

Das war Anfang des Jahres 2000. Heute, anderthalb Jahrzehnte danach und eine Reihe von unerwarteten, teilweise geradezu Halsbrecherischen Wendungen später, lebe ich am östlichsten Rand Österreichs, direkt an den Grenzen zu Ungarn und der Slowakei, vor den Ausläufern der kleine Karpaten, am Ufer der Donau und habe die Augen ostwärts gerichtet. Ob Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Serbien, Rumänien oder Russland, der Osten Europas erscheint mir heute weitaus spannender, reizvoller und vielversprechender, als es der goldene Westen je für mich war. In vielen dieser Länder kenne ich mich mittlerweile besser aus, als zwischen Venice Beach und Santa Barbara, ich habe Einblicke in die Geschichte, in Kultur und Natur der zentraleuropäischen Region bekommen, die mich immer weiter in ihren Bann schlagen. 


Eine beinahe gescheiterte Existenz

Meinen ersten „literarischen Erfolg“ feierte ich in der fünften Klasse, im Gymnasium. Es galt einen Aufsatz über ein spannendes Weihnachtsabenteuer zu schreiben und mir gelang es, auf gerade mal drei Din-A4 Seiten und mit unserer Hauskatze Cecilia als Hauptdarstellerin, ein packendes Erlebnis aufzuschreiben, dass mir den ersten Deutsch Einser meiner Schullaufbahn einbrachte und meinen damaligen Lehrer zu Begeisterungsstürmen hinriss. In diesem Moment beschloss ich Literatur oder Journalismus zu studieren und Autor zu werden. Dann vergaß ich es wieder. Ich hatte die Musik entdeckt und war von ihr verführt worden. Über zwanzig Jahre lang versuchte ich, mit Musik etwas zu erreichen. Als Tontechniker, als Sänger, als Musikproduzent, als Musikmanager, als Musikherausgeber. Oft bis an den Rand der Erschöpfung, häufig auch auf Biegen und Brechen und immer wieder gaben mir ein paar süße Brotkrumen des Erfolgs – mal eine Golden Schallplatte, mal ein respektabler Musikpreis – das trügerische Gefühl, auf der richtigen Spur zu sein.

Zwischendurch hatte ich immer geschrieben. Seien es Werbe- oder Pressetexte, Konzeptentwürfe, Reiseberichte oder Internetartikel. Es war immer gut angekommen, hatte fast immer funktioniert. Aber es war so unauffällig, so unkompliziert gewesen, dass es mir gar nicht aufgefallen war. Erst, als ich beinahe wirklich am Ende war – körperlich, nervlich, finanziell – dämmerte es mir, dass ich all die Jahre der falschen Bestimmung hinterhergelaufen war. 


Schreiben am Fluss

Seit Herbst 2008 lebe ich nun in unmittelbarer Nähe der Donau. Und während sie mir schon während meiner ersten 10 Jahre in Wien zu einer vertrauten Bekannten wurde, ist sie inzwischen soetwas wie eine Gefährtin, eine Muse, Inspiration. So tauchte sie bereits in meinem ersten Roman "Baro Drom - der lange Weg" mehrfach auf. Als Femme Fatal geradezu, mal tödliche Bedrohung, mal bewunderte Schönheit. Im Roman "Goldregen" dann, war sie Ort der Handlung und roter Faden auf einem Boat-Trip zwischen Österreich und Rumänien. 

Und auch in dem Werk, an dem ich aktuell arbeite, hat der große europäische Strom eine zentralle Rolle. Wenngleich in einer anderen Zeit. Im fünften Jahrhundert nach Christus, in der Epoche der Völkerwanderung liegt die Donau in mehrfacher Hinsicht am Ende der Welt. In einer Zeit in der sich alle Grenzen und alle Gewissheiten aufzulösen scheinen, wird sie zur Konstante für die Protagonisten. Und gleichzeitig ist sie eine Urkraft, die mit ihren Fluten Vernichtung ebenso bringt, wie die Grundlage für neues Leben. 

Die langen Wanderungen zu beiden Seiten des Flusses sind für mich immer auch Zeitreisen. Mit frischen Ideen, nicht nur literaischen, die ich dabei unterwegs einfange, möchte ich auch mein Publikum erneut auf ein paar dieser Reisen mitnehmen. Ich hoffe, es werden noch viele sein.

Kommentare:

  1. du hast mich gefunden und dadurch habe ich dich gefunden -- jetzt bin ich sehr gespannt, was ich hier finden werde!

    Herzliche Grüße, piri

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  2. das freut mich sehr! Und nun bin ich gespannt, ob Dir von dem Gefundenen etwas gefällt...

    Erwärmende Grüße (auch wenn die Heizung wieder geht) von der eiskalten Donau,
    Daniel

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  3. Zu deiner heutigen WELT-Denunziation.
    Wenn ein Bürger einen Mitbürger beim Staat anscheißt, dann nennt man das " Denunziation" andersherum ist es engagierte Aufklärung. Natürlich werden diejenigen, die sich den Staat zur Beute gemacht haben (von Arnim lesen!) alles mögliche (auch kriminelles) tun, um einen internet-Aktivisten wie WikiLeaks zu killen. Seit 2001 ist die USA im Rechtssystem kaum noch zu unterscheiden von den Russen und unsere europäischen Pudel werden brav folgen. Egal ob Regierungen , Unternehmen oder Medien. Man wird verbissen und heimtückisch versuchen WikiLeaks fertig zu machen, da wirkt es schon fast komisch wenn Leute wie du von fehlender " Ethik" schreiben. Du glaubst wohl noch an den Weihnachtsmann?

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  4. @Anonym: hm, wer sind denn "Leute wie ich", kennen wir uns? ;-) unter Engagierter Aufklärung (die ich jederzeit begrüße) verstehe ich, einen Verdacht zu haben, Hinweisen nachzugehen, Beweise sicher zu stellen und schließlich Schuldige überführen.
    Blindlings hundertausende von Unterlagen zu entwenden und sie öffentlich zu durchwühlen, ob sich darin nicht irgendwas Unrechtes fände, ist nicht das, was ich unter Aufklärung verstehe. Das ist eher eine neue Dimension des Reality.TV.
    Und besonders Unschön finde ich dabei, dass sich dicke Verlage und Medien, wie zB der Spiegel oder der Guardian, daran eine goldene Nase verdienen, während das Fußvolk, wie jener bedauernswerte junge US-Soldat die nächsten 50 Jahre in einem US-Militärknast gefickt werden.
    Es erstaunt mich, dass "Leute wie Sie", sich für Julian Assange ins Zeug werfen, gegen den immerhin ein Vergewaltigungsvorwurd (es gilt natürlich die Unschuldsvermutung) im Raum steht, der sich aber prinzipiell hinter seinen Webservern versteckt und die Meinungsfreiheit ins Rennen schickt, während andere für ihn die Drecksarbeit erledigen und dafür hängen.
    Es ist doch so, bislang haben von WL ausschließlich ein Hand voll riesiger Medienkonzerne profitiert.

    Was aber den Weihnachtsmann betrifft, so hab ich den Eindruck, dass eher Sie an diesen glauben, wenn Sie davon ausgehen, dass alle Wikileaks Zuträger uneigennützige und ehrbare Helden sind, die die Wahrheit und nichts als die Wahrheit vermelden und dass sich die "Enthüllungen" langfristig nur gegen Regierungen und Konzerne richten werden. Ich sage Ihnen, ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, ich weiß vielmehr, dass der "keine Blockwart" gleich um die Ecke sitzt und auf so eine Chance wir WL nur gewartet hat.
    Frohes Fest, kann ich da nur sagen!

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  5. @Anonym: hm, wer sind denn "Leute wie ich", kennen wir uns? ;-) unter Engagierter Aufklärung (die ich jederzeit begrüße) verstehe ich, einen Verdacht zu haben, Hinweisen nachzugehen, Beweise sicher zu stellen und schließlich Schuldige überführen.
    Blindlings hundertausende von Unterlagen zu entwenden und sie öffentlich zu durchwühlen, ob sich darin nicht irgendwas Unrechtes fände, ist nicht das, was ich unter Aufklärung verstehe. Das ist eher eine neue Dimension des Reality.TV.
    Und besonders Unschön finde ich dabei, dass sich dicke Verlage und Medien, wie zB der Spiegel oder der Guardian, daran eine goldene Nase verdienen, während das Fußvolk, wie jener bedauernswerte junge US-Soldat die nächsten 50 Jahre in einem US-Militärknast gefickt werden.
    Es erstaunt mich, dass "Leute wie Sie", sich für Julian Assange ins Zeug werfen, gegen den immerhin ein Vergewaltigungsvorwurd (es gilt natürlich die Unschuldsvermutung) im Raum steht, der sich aber prinzipiell hinter seinen Webservern versteckt und die Meinungsfreiheit ins Rennen schickt, während andere für ihn die Drecksarbeit erledigen und dafür hängen.
    Es ist doch so, bislang haben von WL ausschließlich ein Hand voll riesiger Medienkonzerne profitiert.

    Was aber den Weihnachtsmann betrifft, so hab ich den Eindruck, dass eher Sie an diesen glauben, wenn Sie davon ausgehen, dass alle Wikileaks Zuträger uneigennützige und ehrbare Helden sind, die die Wahrheit und nichts als die Wahrheit vermelden und dass sich die "Enthüllungen" langfristig nur gegen Regierungen und Konzerne richten werden. Ich sage Ihnen, ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, ich weiß vielmehr, dass der "keine Blockwart" gleich um die Ecke sitzt und auf so eine Chance wir WL nur gewartet hat.
    Frohes Fest, kann ich da nur sagen!

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  6. Auch ich stimme zu - es ist eine WELT-Denunziation

    "Und besonders Unschön finde ich dabei, dass sich dicke Verlage und Medien, wie zB der Spiegel oder der Guardian, daran eine goldene Nase verdienen"
    Blöd dass Axel-Springer leer aus ging.

    "gegen den immerhin ein Vergewaltigungsvorwurd"
    sicher, wenn man liest wie das konstruiert wurde - einvernml. Sex = Vergewaltigung?

    Ist der Einfluss von Lieberman und Palin auf Firmen und Internet richtig?
    Ist der Aufruf zur Gleichstellung mit Terroristen richtig?
    Ist es falsch wenn man sieht was mit Pfitzer ablief?

    Hat die Traumstadt LA solche Eindrücke hinterlassen? Klar wenn man USA blind ist kommt so ein Artikel raus.

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  7. Übrigens, wieso werden in "Die Welt" alle kritischen Stimmen die man als Kommentar eingibt sofort zensiert? Feigheit?

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  8. @Anonym (18:15): da ich weder Mitarbeiter von "Die Welt" bin, noch sonst irgendeinen direkten Kontakt zum Verlag oder der Onlineredaktion habe, bin ich da leider der falsche Ansprechpartner. Allerdings sehe ich in dem Forum zu meinem Artikel rund 160 kritische Kommentare. Alle kritischen Stimmen scheinen also nicht gelöscht zu werden. Vielleicht hat es etwas mit den Formulierungen zu tun? Mir fällt auf, dass gerade diejenigen, die vorgeben, die Meinungs- und PRessefreiheit zu verteidigen, die häufig und gerne sehr unsachlich mit recht persönlichen Angriffen tun. Spannenderweise ist dabei ja die häufigste Forderung der Meinungsfreiheitler, die nach der Tilgung der anderslautenden Meinung! ;-)

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  9. @Anonym (13:25): Wenn ich mir die Titelthemen anschaue, hab ich nicht das Gefühl, dass da irgendein Nachrichtenverlag gerade leer ausgeht. Für die ist WikiLeaks allemal das große Weihnachtsgeschenk.

    Ich glaube, niemand, der nicht unmittelbar mit dem Fall befasst ist, kann wirklich sagen, ob an den Vorwürfen etwas dran ist. Ich bin mir aber vergleichsweise sicher, dass ein Fall, der derart im Bernnpunkt steht, bei einer Verhandlung nun ausgesprochen penibel behandelt werden wird. Was ich begrüße. Wenn der Mann in der Sache unschuldig ist, muss er diesbezüglich selbstverständlich vollkommen rehabilitiert und ggf auch entschädigt werden, wenn nicht, entsprechend bestraft.

    Das Frau Palin Einfluss auf das Internet hätte, wäre mir vollkommen neu, dass Herr Libermann Einfluss auf alles Mögliche hat, bezweifle ich keine Sekunde. Niemand wird Vizepräsident der Vereinigten Staaten, ohne einflussreich zu sein. Es wird auch niemand Bürgermeister von Obertupfing, wenn er nicht gut mit dem Ortsansässigen Müllunternehmer, dem Schuldirektor und dem Kommandanten der freiwilligen Feuerwehr kann. Das ist nunmal so. Irgendetwas anderes anzunehmen oder zu wünschen ist naiv. Letzendlich, wer will denn einflusslose Politiker?

    Aufruf zu Gleichstellung mit Terroristen ist vollkommen überzogen und unsinnig. Ich verwehre mich aber bitte dagegen, nur weil ich einem Thema kritisch gegenüberstehe, mit allen in einen Topf geworfen zu werden, die evtl aus völlig anderen Motiven und ganz anders gelagert kritisch sind.

    Ich habe in meinem Beitrag mit keinem Wort behauptet, dass die Aufdeckung illegaler Machenschaften etc nicht prinzipiell wünschenswert wären! Ich habe nur dargelegt, dass ich WikiLeaks für diesen Zweck für das vollkommen falsche Werkzeug halte, da es unkalkulierbare Neben- und Folgewirkungen hat, die - wie so häufig - die "Kleinen", die einfach Bürger am ärgsten treffen wird weil die "Großen" letztendlich immer sich sehr schnell zu schützen wissen. WikiLeaks kann uns alle einen großen Teil unserer Privatsphäre kosten, es wird aber Pfizer im Zweifel niemals davon abhalten, negative Medikamentenresultate unter VErschluss zu halten oder Gutachter zu bestechen, um milliardenschwere (Fehl)-entwicklungen auf den Markt bringen zu können.

    Und was mein Aufenthalt vor 10 Jahren in LA damit zu tun haben soll, dass meine Meinung zu diesem Thema nun mal nicht dem Hype und dem Mainstream entspricht, verstehe ich dann gar nicht mehr. Wenn Sie schon unbedingt in Kommentaren persönlich werden müssen, dann sollten Sie zumindest 2 Minuten länger auf meiner Seite recherchieren, dann hätten Sie festgestellt, dass ich ein ausgeprochen Osteuropä-afiner Auto bin, dessen Interesse v.a. im Balkan liegt und bei Romamusikern aus Rumänien etc.

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  10. "Aufruf zu Gleichstellung mit Terroristen ist vollkommen überzogen und unsinnig. Ich verwehre mich aber bitte dagegen, nur weil ich einem Thema kritisch gegenüberstehe, mit allen in einen Topf geworfen zu werden, die evtl aus völlig anderen Motiven und ganz anders gelagert kritisch sind."

    Das war ein Aufruf von Frau Palin

    "kritische Kommentare"
    Man konnte zuschauen wie diese gelöscht wurden . einer hat geschrieben dass 1 Beitrag von 10 Beiträgen nicht gelöscht wurde, Die Welt stellt es aber so dass das Verhältnis ausgeglichen ist. In Wirklichkeit ist es etwa 80:20 (was übrigens auch das Abstimmungsergebnis auf Bild - auch Axel Springer zeigt)

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  11. Einvernehmlicher Sex wurde von beiden Damen genannt, keine wollte ihn anzeigen.

    "in Schweden liegt Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung im minderschweren Fall auch dann vor, wenn weder Gewalt noch Drohung noch hilflose Zustände im Spiel sind."

    Dann jemanden als Vergewaltiger zu bezeichnen ist perfide (auch mit dem Zusatz dass die Unschuldsvermutung zählt)

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  12. Die Abstimmungsergebnisse in Focus:
    Finden Sie die Veröffentlichung der geheimen Dokumente durch Wikileaks richtig?
    Ja 74,9%
    Nein 25,1%

    Bild Abstimmung bei knapp 400 000 Teilnehmer:

    Es ist gut, dass jeder jetzt Einblick in die Dokumente hat. 61%
    Ich verstehe die ganze Aufregung gar nicht. Das Material enthält wenig Brisantes. 21%
    Die Dokumente hätten geheim bleiben müssen. Das verstärkt nur die internationalen Spannungen. 18%

    Natürlich steht es Ihnen frei zu den 25 bzw. 18% zu stehen und die Meinung zu vertreten, jedoch müssten zwei Meinungen nebeneinander stehen damit sich der Leser ein Urteil bilden kann. So ist es Meinngsmache vom Axel-Springer Verlag.

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  13. @Anonym / Palin:

    Danke für die Info. Das hatte ich noch nicht gehört. Aber dass Frau Palin einen an der Schüssel hat (ich entschuldige mich für die unseriöse Formulierung ;-) und leider im Zweifelsfall wirklich gefährlich werden kann (nämlich dann, wenn es die US Amerikaner wieder fertig bringen, jemanden von diesem Schlag ins Weiße Haus zu wählen), darin sind wir uns augenscheinlich einig. Allerdings wird daran auch ein WikiLeaks nichts ändern. Um zu wissen, wes Geistes Kind eine Sara Palin ist, braucht mein kein WL und diejenigen, die sie haben und wählen wollen, werden auch 1000 WLs nicht davon abhalten. Wie gesagt, alle Welt wusste, dass der Irakkrieg nichts mit Terroristen zu tun hat und dass Saddam Hussein weit davon entfernt war, eine Massengefahr für die Menscheit zu sein und dass Bush schlicht gelogen hat. Auch dafür brauchte es kein WL. Und trotzdem haben die Amerikaner den Mann wiedergewählt. Weil sie von Angst durchdrungen waren und ihnen alles Recht war, wenn ihnen jemand erzählt hat, er könne sie in Sicherheit bringen.

    ad "Vergewaltiger". Ich habe Julian Assange nicht als Vergewaltiger bezeichnet. Ich habe gesagt, dass der Vorwurf im Raum steht. Und das ja schon lange bevor "Spiegel" und Co losgelegt haben. Ich will gar nicht ausschließen, dass die Vorwürfe konstruiert sein mögen. Aber dann sind sie es schon vor den ganz großen Leaks gewesen.
    Ich bin definitiv nicht der Meinung, dass man WL auf solch eine Art stoppen sollte! Das wäre fatal. Man soll sich mit den Gefahren und Problemen, die dieses System von WL, dass sich in einem dichtgrauen Graubereich bewegt, anschauen und lösen.

    Und ad Umfrage: hm, an welcher Stelle doch gleich, hatte ich andere Meinungen untersagt? ;-)
    Ich weiß schon, Sie meinen den Springer-Verlag. Aber jetzt mal ehrlich, in den Reaktionen auf meinen Artikel steht das Verhältnis ca 158:3 auf Seiten Pro-WL.

    Was die Abstimmung im Focus betrifft, glaube ich zum einen, dass sie durchaus anders aussähe, wenn man sie auf der Straße und nicht im Internet machen würde. Vor allem aber, denke ich, dass Mehrheit nicht gleich Richtig bedeutet. Genau das sollte mein Bild mit dem Schwarm darstellen. Gerade im Internet hat sich die Community mehr als einmal verschwommen und sich von Neuerungen die große Demokratisierung versprochen und ist dabei ein ums andere Mal entäuscht worden. Als Beispiel nur die Musikindurstrie genannt. Zu Beginn der Download- und CD-Copy-Ära, waren es die kleinen Musikfirmen und Musiker, die jubelten "endlich geht's den dicken Plattenfirmen an den Kragen". 15 Jahre später gibt's die dicken Firmen immer noch, deren Manager fahren immer noch dicke Mercedes, zum Teil verkaufen sie jetzt halt PC-Spiele statt Musik, was ihnen aber schon immer egal war. Die kleinen Musikfirmen aber gibts nicht mehr und die Musiker, die damals glaubten, jetzt käme ihre Zeit, stehen heute bei Mc Donalds oder sind Fahrer bei UPS, um ihre Miete zahlen zu können.

    Ich sag nicht, dass es immer so sein muss, aber ich finde es wichtig, dass sich jemand wie ich - der eben nicht einer großen Company angehört oder gar einer Regierung und der nicht aus purem eigenintresse kritisch ist - hinstellt und sagt, Leute, versucht auch mal ein paar Schritte weiter zu denken und nicht jeder neuen Sau, die durchs Dorf getrieben wird, nachzulaufen, nur weil es scheinbar gegen die "Großen" geht.

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  14. Sie sollten dies hier vor dem Schreiben des Artikels gelesen haben
    http://goo.gl/sf3hp

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