Montag, 15. März 2010

Reisesplitter Ost-Süd-Ost #001

Gedanken, Erlebnisse, Tipps & Beobachtungen aus meinen Reisenotizen der letzten 10 Jahre

Über das Verhältnis von „Südosteuropäern zu Autoritäten und zu Frauen“


Moskau, Flughafen Scheremetjewo, Grenzkontrolle. Zum ersten Mal Einreise nach Russland mit einer Gypsyband. Sieben Musiker aus fünf verschiedenen Ländern. Die Reisevorbereitungen waren kompliziert, die Visaanträge aufwendig und teuer. Am meisten Sorge bereitet mir der vermeintlich einfachste Fall unseres Akkordeonisten aus Bosnien. Bosnische Staatsbürger benötigen für die Einreise nach Russland angeblich kein Visum, so die telefonische Auskunft der Botschaft. Eine schriftliche Bestätigung dafür lässt sich nirgends finden.


Wer die Grenzkontrollen an russischen Flughäfen kennt, weiß, dass diese auch nach 20 Jahren wenig von ihrem „sowjetischen“ Charme verloren haben. Die hohen Mauern, die dicken Glasschreiben, die MPs, die überdimensionierten Schirmmützen der Wachen und die unwirschen Mienen der Grenzbeamtinnen hinter den massiven Fenstern haben vor allem einen Effekt: Einschüchterung. Wirkungsvoll!


Sechs Musiker und ich selbst sind bereits problemlos durch die Kontrollen gekommen. Wir warten in der zugigen Ankunftshalle. Uns fehlt der Akkordeonspieler. Meine Anspannung steigt. Im Geiste gehe ich die Optionen durch. Österreichische Botschaft. Bosnische Botschaft? Gibt es die überhaupt? Schließlich erscheint er in der Schiebetür. Mir fällt ein Marmorblock vom Herzen. Strahlend kommt der junge Mann auf uns zu, sein schweres Instrument lässig über der Schulter tragend. Triumphierend einen Zettel in der Hand schwenkend ruft er uns zu: „Ich hab Ihre Telefonnummer!“

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