Donnerstag, 6. Januar 2011

Zwischenruf: "Mein bunter Bruder" - ein Geschenk

Ich möchte heute gerne eines der außergewöhnlichsten Weihnachtsgeschenke teilen, dass ich je bekommen hab. Einen Text, den mein Bruder für und über mich verfasst hat und den ich an dieser Stelle quasi als Gastbeitrag präsentieren darf.

Mein bunter Bruder
von Philipp H.

Eigentlich habe ich keine Ahnung, warum ich allem eine bestimmte Farbe zuweisen muss. So können Taxistände in meinem Kopf schon einmal dunkles Tannengrün als „Aura“ haben, bestimmte Tage weiß, Ausritte mit meinem Pferd beides gleichzeitig und selbst, ja gerade, Menschen sind vor der von mir absolut willkürlich und ohne jedes Mitspracherecht aufoktruierten Farbgebung nicht sicher.

So ist mein Bruder zum Beispiel für mich immer schon braun gewesen. Um Himmelswillen, nein, nicht politisch. Was die politische Gesinnung meines Bruders anbelangt, so ist zumindest dies vor meinen mentalen Farbkleckseleien gefeit. So sind wir Hantigks eben. Ausgerechnet da, wo alle Welt freiwillig in den Farbtopf taucht lassen wir es genau bleiben.

Mein Bruder, weil er differenziert und weitsichtig denkt und somit für Parteipolitik ad definitionem nicht geeignet ist. Und meine Farbmanie, weil sie zwar übermächtig aber immerhin doch irgendwie wahrheitsliebend ist. Und schon allein deswegen müssen wir hier zurück zu meinem Bruder, und der Frage, welche denn nun die wahre Farbe meines Bruders ist.

Wie gesagt, zunächst fällt mir da unweigerlich braun ein. Das ist es aber nicht. Auch wenn die Unmengen an Kaffee und Nuss-Nougat-Brotaufstrich, die er zu sich zu nehmen pflegt und meine Erinnerung an ein Pullunder mit dem er sich in frühen Jugendtagen oft kleidete ebenso dafür sprächen wie seine, zugegebener Maßen allmählich weichende, Haarfarbe.

Aber das allein wird ihm nicht gerecht. Meine wahrheitsliebende Farbmanie spürt das.
Na gut, also gehen wir die Farben durch, schließlich habe ich eine Ausbildung in einem Fotofachgeschäft absolviert. Ich kenn` mich da aus!

Beginnen wir also mit den Grundfarben und da am besten mit rot. Der auffälligsten und bei spontaner Abfrage von den Leuten am meisten genannten Farbe. Rot! Farbe der Revolution, des Aufstandes! Aber ebenso auch Ausdruck für Temperament und Adrenalin sowie Symbol für alles was mit Gefühl, Herz und überhaupt Leben zu tun hat. Sozusagen die Mütter aller Farben. Und, ja und mmmhmmm, immerhin ist oder war das einmal seine Lieblingsfarbe. Und genau das ist das Problem. Der Mensch neigt ja ein wenig dazu, dass zu lieben, was sich seinem Zugang entzieht. Wenn es sich also so verhält, dann ist es eben nicht da. Ergo kann auch mein Bruder nicht rot sein. Und Revoluzzer ist er schon gar keiner. Wirklich nicht. Viel zu diplomatisch. Immer schon.

Einigen wir uns also auf ein bisschen rot. Gut. Aber die ganze Wahrheit ist das immer noch nicht.
Wie wäre es mit blau? Nein! Um Gottes Willen! Mein Bruder? Blau? Der Mann war in seinem Leben noch nie betrunken! Wie könnte er blau sein? Außerdem ist blau die kühlste aller Farben. Und kühl ist er nun wirklich nicht. Andererseits ist blau aber doch auch die Farbe des Verstandes. Und da ist er nun wieder ganz groß, mein Bruder.
Gut, machen wir es kurz: Also auch ein wenig blau dazu.
Es sei denn, wir fänden heraus, dass mein Bruder komplett gelb wäre. Nun, er arbeitet zwar in der Strombranche, und Strom gilt als gelb, warum auch immer, aber er arbeitet eben nicht für den gelben Stromanbieter, außerdem sollte man sich generell nicht nur über die Arbeit definieren, und eine so vielfältige Person wie ihn gleich dreimal nicht.
Okay, um des Stromes, des guten Willens und des Ausgleichs wegen um den mein Bruder als Waage stets bemüht ist, mixen wir halt noch ein wenig gelb dazu. Darauf kommt es jetzt auch nimmer an! Aber ich bestehe darauf: Die reine Wahrheit ist es immer noch nicht.
Und damit haben wir den Salat. Mit den Grundfarben sind wir durch, und doch keinen Schritt weiter.

Ich bin etwas skeptisch, ob wir noch fündig werden, aber zum Aufgeben bin ich erstens zu stolz und zweitens zu neugierig.

Dann halt die Komplementärfarben. Es muss sich doch was finden lassen. Gibt`s doch ned!
Grün.... ...mein Bruder? Grün? Wo soll denn der grün sein, bitte schön. Hinter den Ohren vielleicht? Der Mann hat in Amerika gelebt und war mit Romanis in Südkorea, hat sich ordentlich von Frauen ausnehmen lassen, wie es sich für einen Mann von Welt gehört und ist doch er selbst geblieben. Im Garten wuchert es wild und ohne sein Zutun, hingegen seine Zimmerpflanzen ob seiner „Pflege“ stets ums Überleben kämpfen. Und – um doch kurz politisch zu werden – die Grünen lehrt er stets das fürchten, weil er weiter und nachhaltiger denkt als sie. Er wäre, wenn überhaupt, ultragrün. Und das gibt es nicht. Ich bin bereit ihm ein wenig grün zuzusprechen für den verwilderten Garten und den Efeu auf der Treppe. Mehr nicht.

Weil wir vorher gerade bei ultra waren: wie wäre es mit violett, lila? Muss ja nicht gleich wieder ultra sein. Jaaa, naaa, also irgendwie ist das so auf den ersten Blick schon dichter an der Wahrheit, aber ich könnte nicht sagen warum. Und da liegt der Hase im Pfeffer und schnalzt! Schon seit den antiken griechischen Philosophen gilt: Keine Wahrheit ohne Begründung und Beweis. Außerdem hat er zwar, glaube ich, ein lila Hemd, aber das ist auch das Einzige was ich an ihm in lila kenne. Überdies sagt das gar nix, denn ich hab auch ein lila Hemd und bin deswegen auch nicht gleich lila. Zumindest nicht in den Augen meiner persönlichen Farbmanie.
Wir geben also einen beweisfreien Schuss lila mit dazu und ziehen weiter mit unserer Frage nach der wahren Farbe meines Bruders.

Rosa? ... wie bitte? Rosa????!!!!! Kommt, macht Euch nicht lächerlich! Rosa! Pah! Wie bitte? ...Magenta, meint ihr? Mein Bruder ist doch nicht von der Telekom! Könnt ihr knicken!
Nur um der von ihm so beherzt verfolgten Gerechtigkeit willen: Ein Schuss Magenta. Aber nur einen Schuss, hört ihr! Mein Bruder in magenta, wie seh denn das aus!
Orange kann er nicht sein. Seine ganze Bude ist irgendwie orange, da würde man ihn kaum sehen können, wenn er auch orange wäre. Und außerdem: Keine Spur von Cellulitis.
Einzig die Sonne im Gemüt. Die hat etwas warm Leuchtendes. Das könnte orange sein. Doch, ja, es IST orange. Schön, aber, ich habe es befürchtet, es reicht einfach nicht für den Alleinherrschaftsanspruch. Also, wie gehabt: Auch rein ins Töpfchen, zu den anderen Farben.
So, jetzt haben wir s. Alle Farben durch und keine ist gewesen.
Ach so, ihr meint, wenn es keine Farbe gibt, die ihn gänzlich beschreibt, vielleicht ist er dann schwarz-weiß?! Das ist `n Quatsch, Freunde, das sag` ich euch gleich. Mein Bruder ist nicht farblos. Ganz und gar nicht. Ja, aber: Was ist er dann????
So kommen wir nicht weiter, ich seh` schon, das müssen wir anders anpacken. Konstruktiv sozusagen, nicht analytisch.

Also, was haben wir denn da: Von allen Farben ein bisschen, und was noch? Naja, er ist ziemlich klar in der Birne, sehr klar sogar. Doch, ja, man kann sagen er ist kristallklar. Und – jetzt fällt es mir wieder ein! – ziemlich facettenreich. Kann man doch so sagen, oder?
Seht ihr, sag ich doch. Hat seine Ecken und Kanten. – Ja schon, anders betrachtet ist er ziemlich rund. Nein, nicht übergewichtig, na ja, vielleicht ein bisschen, aber wer ist das nicht, und das meine ich auch nicht. In sich stimmig meine ich mit rund.
Schön, schön, schön, aber was ergibt das alles für einen Sinn, frage ich mich?
... haaa, ich hab es? Was ist ebenso rund wie eckig, kristallklar und leuchtet doch in allen Farben des Regenbogens???? Na, Freunde, wisst ihr es? Ich schon! Mein Bruder ist ein.....

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