Dienstag, 16. Oktober 2018

Österreich spricht - mit Überraschungseffekt

Österreich spricht - mit Überraschungseffekt

Wie man doch medial beeinflusst ist! Rechtsruck, Rechtspopulismus, Hatespeech, Ausländerfeindlichkeit, Nationalismus… Tag für Tag sind das die Themen in „meinen“ Medien. Was Wunder, dass, wenn es dann eine Aktion wie „Österreich spricht“ gibt und man sich bewusst mit Angaben für offene Grenzen und gegen alles Nationalistische positioniert hat, ich fest davon ausgegangen war, nun endlich einmal mit einem überzeugten Neu-Nazi, mindestens mit einem Rechtsaußen debattieren zu können.

Dann kam die Vorstellung vom „Standard“ – eine Dame also, ok. Sie erwähnt im Hallo-Mail ihr Facebook-Profil, ich suche es und das erste, das mir entgegenleuchtet, sind Bilder von meiner Gesprächspartnerin am KPÖ-Wahlwerbestand. Soviel zu meinen Erwartungen.

Es ist wohl doch so, dass „am Land“ die Zahl der Standard-Leser, die ein aktives Interesse an gesellschaftlichen Aktionen wie „Österreich spricht“ hat, so überschaubar ist, dass die beiden unterschiedlich angekreuzten Themen „Mütter vs Karriere“ und „Rauchverbot“, sowie die Tatsache Mann, Frau ausreichen, um die konträrst mögliche Kombination abzugeben, die der Algorithmus finden konnte. Auch eine Erkenntnis.

Eine Enttäuschung? Nicht wirklich. Zwar haben wir bei unserem Treffen hauptsächlich gemeinsame Ansichten gefunden, selbst beim von mir schon zuvor in die Hinterhand genommenen Thema „unbedingtes Grundeinkommen“, von dem ich annehmen konnte, dass meine Gesprächspartnerin auf Parteiline dafür sein müsste und ich aus tiefster Überzeugung dagegen war, entsprang kein wirklicher Disput.

Gespärchspartner: Mehr gemeinsame denn konträre Meinungen.
Zwar hatte sie dazu für mich ein paar interessante Beispiele aus skandinavischen Pilotprojekten parat. Etwa, dass dort Handwerker von aussterbenden, aber wertvollen Berufen ohne die permanente Existenzangst diese nun weiter ausüben und sogar ausbilden könnten. Allerdings hatte auch sie keine fertigen Antworten auf die Frage der Finanzierbarkeit und wir waren uns dann rasch wieder einig, dass es immer ein gute Drittel der Bevölkerung geben würde, die ein solches Modell zu Lasten der Allgemeinheit leidlich ausnutzen würden.

Vor allem aber hatten wir auch hier letztlich die übereinstimmende Ansicht zum Grundproblem, nämlich, dass es aufgrund der Digitalisierung und – ja, auch aufgrund der natürlichen und notwendigen Migration - zunehmen nicht genug ordentlich bezahlte Arbeit für alle geben wird, dass aus einem fleißigen LKW-Fahrer oder Lagerfacharbeiterin keine Programmierer werden und dass daher neue Ideen und Modelle gefordert sind, um Wohlstand und Beschäftigung neu und gerecht zu verteilen. Finale Antworten auf diese drängenden Fragen hatten wir jedoch auch gemeinsam – noch – nicht.

Da das Gespräch aber sehr inspirierend war, wer weiß, vielleicht fällt uns ja doch noch etwas dazu ein. Denn wir werden zumindest über die Sozialen Medien in Kontakt bleiben und freuen und beide auf „Österreich spricht“ 2019. Vielleicht sind ja dann noch ein paar mehr Medien dabei, damit wir dann tatsächlich die „Echokammer“ verlassen und einmal so richtig streiten, nein, diskutieren können.

Danke jedenfalls dem Standard für diese Vorreiterfunktion.

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